Bleib bei deinen Compendiies

geschrieben von goetterspeise | 31 Jan, 2007

Ein etwas vorschnippischer Philosoph, ich glaube Hamlet Prinz von Dänemark hat gesagt: es gebe eine Menge Dinge im Himmel und auf der Erde, wovon nichts in unsern Compendiis steht. Hat der einfältige Mensch, der bekanntlich nicht recht bei Trost war, damit auf unsere Compendia der Physik gestichelt, so kann man ihm getrost antworten: gut, aber dafür stehn auch wieder eine Menge von Dingen in unsern Compendiies wovon weder im Himmel noch auf der Erde etwas vorkömmt.

In Ermangelung eigener Beiträge gepostet von Georg Christoph Lichtenberg (Leitzmann L 153)

Selbstreferentialität

geschrieben von goetterspeise | 29 Jan, 2007

Ich habe soeben fast einen Liter Götterspeise zu zweit vertilgt (als zweiter Nachtisch nach etwas Mousse à la Vanille). Jetzt ist mir schlecht.

Kann aber auch sein, weil ich vor diesem Artikel noch den (meiner Meinung nach lesenswerten) Wikipedia-Artikel zu Kannibalismus gelesen habe. Kannibalismus scheint als kulturelle Form gar nicht zu existieren (und auch nicht existiert zu haben), sondern eine Erfindung des Okzidents zu sein, um sich darüber selbst definieren zu können. Die anderen, das sind die Kannibalen.

In diesem Sinne ist modern auftretender Kannibalismus (Haarmann, Kroll, Meiwes) dann die Anwendung dieses kulturellen Konstrukts auf sich, d. h. auf diese Kultur selbst, genauer: das Verzehren/Einverleiben eines Kulturkörpers - denn wenn dieser Körper keine kulturelle Idenität hätte, würde man nicht gerade ihn verzehren - ist zugleich die Verdinglichung/Verkörperlichung der kulturellen Idee (des Kannibalismus). Aber so viel will und kann ich da gar nicht zu vorstellen; mir ist immer noch schlecht.

Sag ihm, ich bin nicht da!

geschrieben von goetterspeise | 22 Jan, 2007

Diesesmal habe ich Ihnen durch meinen Bedienten sagen lassen, daß ich nicht zu Hause wäre, nach dem Billet aber, das Sie mir deswegen geschrieben haben, werde ich bei dem nächsten Besuch, womit Sie mich beehren werden, die Ehre haben es Ihnen auf der Treppe selbst zu sagen. Ich bin pp.

Georg Christoph Lichtenberg (Leitzmann L 162)

fom winde ferfeelt

geschrieben von goetterspeise | 19 Jan, 2007

(Der Titel ist der Erstroman meines Lieblingswahlmüncheners Ze do Rock (heißt wirklich so))

Das war alles eine riesen Medieninszenierung! So lautete heute früh das einheitliche Fazit mirs und meiner Kollegen von der fahrenden Prominentenbetreuung.
Die Bahn hatte bloß einen Programmierfehler in ihrem Fahrplansystem entdeckt, der sich längerfristig nicht hätte verbergen lassen und seit Monaten zu sich potenzierenden Verspätungen führt. Mit Hilfe einer inszenierten Sturmkatastrophe konnte sie endlich mal ihre Server neu booten, und das braucht wirklich anderthalb Tage, nicht so'n bisschen Gleise-Kontrollieren!

Klartext

geschrieben von goetterspeise | 18 Jan, 2007

Ich bin gerade durch Zufall auf ein scheinbar großes Missverständnis gestoßen, dass ich hier doch wenigstens für die nächsten Male präventiv vermeiden möchte.

Jeder kann hier und in den meisten anderen Blogs unter jedem Namen Posts kommentieren. Ich bin Herman Stein und das nicht ohne Grund. Wenn ich was anonym schreibe, dann sieht das z. B. so aus und tut keinem weh. Wenn jemand meint, mich mit einem anderen Namen assoziieren zu können, dann auf eigene Gefahr. Ich kenn auch einige Leute, die genauso heißen wie ich und genauso im Internet unterwegs sind. Abgesehen davon, dass ich niemanden in unserer Posting-Gemeinschaft beschimpfen würde für das, was er sagt, ist der besagt Kommentar sichtbar nicht mein Stil. Oder habt Ihr schonmal gesehen, dass ich irgendwo drei Fragezeichen benutze???

Inzwischen haben sich alle wieder lieb.

Liste 9

geschrieben von goetterspeise | 18 Jan, 2007

An der FU-Berlin sind wieder StuPa-Wahlen, und die Werbetrommel der Listen wird kräftig gerührt. Herausheben tut sich das Plakat der Liste 9, das nämlich (im Vergleich zu den meisten der anderen Plakate) äußerst anspruchsvoll designt worden ist und neben einem sehr ansprechenden roten Logo auf weißem Grund mit nichts anderem wirbt. "Wählt Liste 9" steht unten drunter, sonst nichts.
Das Logo hab ich im Netz noch nicht gefunden, reiche es hier aber nach, falls sich das ändert. Die Bezeichnung "Antifaschistische Aktion" ist dort integriert worden, neben dem angesichts des Logos selbst nicht besonders auffälligen Slogan Scheiß Elite, scheiß Uni, scheiß Mensa, scheiß Staat.

"Antifaschistische Aktion" deutet laut google auf die Antifaschistische Aktion Berlin (AAB) bzw. deren Überbleibsel Antifaschistische Linke Berlin (ALB) hin, ich konnte dort aber nichts passendes finden.

Abgesehen davon, dass mich der Slogan doch sehr an die Diskussion erinnert, die wir beim graubrot schon mal und auch an dieser Stelle bereits hatten (von wegen böses System, böses):
man hat an dieser radikal linken Stelle offenbar ebenfalls die Zeichen der Zeit richtig erkannt: Die Inhalte sind gar nicht mehr so wichtig, wenn doch die PR stimmt.

Die Hosen an

geschrieben von goetterspeise | 15 Jan, 2007

Ihr Unterrock war rot und blau, sehr breit gestreift und sah aus, als wenn er aus einem Theatervorhang gemacht wäre. Ich hätte für den ersten Platz viel gegeben, aber es wurde nicht gespielt.

Georg Christoph Lichtenberg (B 212 Leitzmann)

Aus den 1760er Jahren, wohlgemerkt. Ich wars nicht; der Georg ists gewesen! Ich weise von mir auf andere interessante Ausprägungen von Neosexismus.

Kakerlakenpups

geschrieben von goetterspeise | 13 Jan, 2007

Den Post des des Tages am 1. Januar gab es von Miss Sophie: Wenn die Kakerlake pupst, dann hallt das. Spass gemacht hat er! Fast so schön, wie in der Badewanne.

Weil mir selber nichts schöneres einfällt, nee, weil ich so viel zu tun hab und nicht danach noch am Rechner rumhängen mag, hab ich mal ein bisschen im Internet gekramt. Heraus gekommen sind ein paar fast so schöne O-Töne von Kindern (I), (II), (III).
Überhaupt ein außergewöhnliches Blog von Emily, da lohnt sich ein wenig schmöckern.

  • Meine Mama ist echt schön, man sieht immer noch, dass sie mal jung war.
  • Auch zwischen den Beinen sollte man sich waschen, sonst wird das Schamgefühl verletzt.
  • Schön, das Oma und Opa zusammen im Grab liegen, da können sie sich wenigstens mal unterhalten.

Des Bloggers Selbstverliebtheit

geschrieben von goetterspeise | 8 Jan, 2007

Traurig werde ich oft, wenn ich einen neuen Schriftsteller auftreten sehe, denn es ist ein Beweis, daß die Menschen keine Freunde mehr haben, und jeder sich an das Publikum wenden muß.

Clemens Brentano an Karoline von Günderrode (zitiert nach A. Correia)

The Crack-Spider

geschrieben von goetterspeise | 8 Jan, 2007

The Marihuana-Spider does not build a net. It builds a hammock [= Hängematte] — and watches the Caffeine-Spider […]

Never Trust the Crack Spider

Kühn

geschrieben von goetterspeise | 6 Jan, 2007

Im Hintergrund ganz laut läuft Keane, immer noch das erste Album, Hopes and Fears. Es geht runter wie Butter. Vielleicht, weil da keine Klampfe dabei ist. Und weil es richtig dick aufgetragen ist. Es schmeißt so bombastisch mit Gefühl um sich, das man bald nicht mehr wer weiß, wo oben und unten ist, wenn mans zulässt.

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Das große Fressen

geschrieben von goetterspeise | 2 Jan, 2007

Achtung: Expliziter Text!In der Mensa war es ganz leer heute. Mühen sich alle wohl noch mit Ihrem Neujahrskater ab. Die anderen mühten sich mit dem Mensaessen ab. Wie erwachsene Leute es schaffen, die Essensprozedur als ein ästhetisches Massaker zu inszenieren, das fasziniert mich immer wieder. (Wenn auch besser nicht auf eigenen leeren Magen oder während des eigenen Essens.) Genauer gesagt: zuerst schaue ich gebannt zu, muss lachen, dann wird mir schlecht. Und dann frag ich mich, wieso mir schlecht wird, und muss wieder gebannt hinschauen.
Ein bisschen also vielleicht, wie wenn man sich das erste Mal Ausschnitte aus einem Hardcore-Porno ansieht.

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