Die Diskussion um mediengerechte Inszenierung von intimen Emotionen erinnert mich nicht wenig an das, was man im ausgehenden 18. Jhd. 'Empfindsamkeit' nannte. Alle meinten plötzlich, sich mit Hilfe der zunehmenden Medialität/Literarizität (Briefverkehr) viel besser zu verstehen, seelenverwandt zu sein, direkt in die Seele des anderen schauen zu können.
Und wie kam das? Der allgemeine Schreibmodus wurde ein anderer; alle stellten sich auf 'natürliches' Schreiben um - das natürlich kein Natürliches sein konnte, sondern auch nur eine gesellschaftlich ausgehandelte Form, Individualität zu zeigen (zu inszenieren). Die Mädels sind vemehrt in Ohmacht gefallen; die Jungs lagen sich alle in den Armen. Und wenn man sich dann mal von Angesicht zu Angesicht getroffen hatte, war die Entäuschung oft groß, dass sich dort niemals eine solche Nähe herstellen wollte, wie vorher, und nachher, im Briefverkehr. Parallelen?
Mich interessiert vornehmlich die Frage, wie solch eine Zunahme an Kommunikation, ein gefühltes Mehr an Kommunizierbarkeit mittels Medialität vonstatten geht; auch darum habe ich eine Website, auch darum blogge ich.