"Und wenn sie nicht gestorben sind ..." Die lang ersehnte Fortsetzung

geschrieben von goetterspeise | 6 Nov, 2008

Zur Feier des Tages präsentiere ich an dieser Stelle die fiktive Fortsetzung einer Kult-Erzählung. Wer kommt drauf?

About thirty minutes later, the doorbell rang with its light, almost spheric tone. Rick slept like a baby. Iran took the box, went outside the kitchen, opened, and let the clerk do his work, right there at the door. She did not want to disturb her husband.
The toad was in an acceptable condition, the clerk said, and: "It's one of the old Cyberdyne models, B 155 C, a rare one." She had absolutely no idea what he was talking about, but she made an affirmative noise. She watched as he opened the tiny control panel at the toad's abdomen and obviously shut it down: its legs stopped pedaling immediately. It still looked like a real toad, Iran thought, but the clerk removed the control panel with some of the abdomen plate, and a hole appeared, with colored conductors and several electric components inside. The clerk took pliers and started to exchange some small black elements.
He finally came back, Iran said to herself, and tryed to remember the look of Rick's eyes, standing here in the doorway. What had stunned her, was the relief she had seen in there, the 'coming home'. She did not know how to put it into words, but - it looked authentic, he looked authentic there, like if a decade of years had passed by, and the Rick she came to know had vanished some day, replaced with a machine, with daily routine. She had not noted, when exactly this had happened. Routine it was, what she got used to as well. Does it matter if we're alive, she asked herself? The electric goat, the toad, where was the difference, as long as it all crawled and moved and worked out? Rick seemed to need this toad, it was part of his life, authentic for him as well, no matter how electric or artificial inside.
"That's it", the clerk said, and returned the toad to her. "Take care of its digestion. You may return the digested flies if you like, and obtain a customer bonus. Just call us!"
"Thank you", Iran answered, and watched the slow breathing toad in its box.

Opus Magnum

geschrieben von goetterspeise | 25 Mai, 2007

Ich liebe die Minuten vor einem Gewitter. Die Luft wird gleichsam trocken und schwer, drückt zu Boden, das Licht geht zurück, der Theatersaal der Welt wird plötzlich still und verdunkelt sich. In diesen Momenten scheint es, als hielte jeder und alles den Atem an. Und jedesmal ist es erneut, als könne die Welt sich nicht ganz entscheiden zwischen Vorfreude und Furcht vor dem plötzlichen und gewaltigen Etwas, das da kommen wird.

Es ist still, selbst der Wind hält seinem Atem zurück, die Vögel zwitschern nicht mehr, und sollte man doch einen von ihnen entdecken, dann lukt er nur kurz blitzend herum, das schwarze Rabenhaupt, Aug in Auge mit dir, und du spürst, dass er wissend und verbunden ist mit dem dunklen Fluch, der da aufzieht, dann ist er weg und war nie da.

Bis es dann losgeht. Der Vorhang reißt auf oder war im Dunkeln schon unbemerkt zur Seite gefahren, und der Blick in die tiefenlose Schwärze fällt mit ihm in das infernale Höllenspektakel, das sich jetzt auftut. Welt und Wind und Wasser sind nicht mehr getrennt, sind oben und unten zugleich in Licht und Dunkelheit, zerren und prallen aneinander, so dass Blitz und Donner Bilder in der Dunkelheit erbeben lassen, den Ursprung der Erde zurückholend, den Anfang der Welt, das Chaos.

Ich stehe am offenen Fenster über dem wolkenschwarzen Horizont und lasse den athmosphärischen Strom durch mich hindurch fließen. Nichts bin ich und doch alles, und wenn du bei mir bist, sind wir die Herren dieses Moments, sind die Hexenmeister, Sulphur und Mercurius, die das Pentagramm ihrer Kräfte in den schwälenden Äther ziehen, und die Dämonen rufen, die dort donnern und flammen zu unserer chymischen Hochzeit, zu dem Rasen unserer Zärtlichkeit.
Und zugleich sind wir nichts als der Wille der Welt, folgen ihren Gesetzen, die da wütet und sich selbst verschlingt aus purer Lust an sich selbst, du liegst in meinen und ich in deinen Armen, und ich weiß nicht, ob es meine Küsse sind oder deine, weiß nichts, bin.

Durch die Wolken bricht ein zartes Rot, als der Regen aufhört, Zeit und der Raum kehren zurück und sammeln sich wieder, strukturieren die Welt. Zurück bleibt der Lapis philosophorum, der nun an der Stelle meines Herzenz schlägt. Es duftet, und ich schließe das Fenster.

Liebesgedicht im egomanischen Zeitalter

geschrieben von goetterspeise | 18 Dez, 2006

Bevor ich meine Leser versauern lasse, schiebe ich lieber etwas älteres Zeug nach. Diesmal ein kleines Gedicht, drei Jahre alt, dass ich so wohl nicht mehr zustande bringen würde (ohne zu koksen).

Gäb ich dir einen Funken meines Sehnens
nach dir, würdest du
selbstverliebt
dir völlig allein genügen.

Ich find's immer noch sehr schön, gerade weil es so altruistisch Selbstverliebtheit verschenken will. Liebe im egomanischen Zeitalter eben. Geht das anders?