Putzschwämme
geschrieben von goetterspeise | 23 Sep, 2007Kürzlich träumte mir, mein Mitbewohner würd Putzschwämme einkaufen, und ich war darüber sehr glücklich. (Putzschwämme werden nämlich so schnell Schmutzschwämme bei ihm, dass ich gar nicht hinterherkomme.) Er hatte sie extra in teures, rot und silber quergestreiftes Geschenkpapier getan und mir eine nette Karte dazugeschrieben - dass er sich ändern würde, wie leid es ihm täte und wie sehr er für meine überwiegend alleinige Hausarbeit in unserer Wohnung und meine Freundschaft dankbar sei. Die alten Schwämme konnte ich dann gleich wegschmeißen und tanzte mit den neuen an meiner Brust durch die Küche. Ich war sehr glücklich - habe ich das schon gesagt?
Als ich meinem Mitbewohner am Abend beim Abwaschen von meinem Traum erzählte, lachte er herzlich, aber wollte es mir nicht glauben. Nein, muss ich mir ausgedacht haben. Es war aber so. — Er schaute jetzt etwas verdutzt aus. Zum Glück sei ich mir meiner manipulativen Wirkung auf Menschen nicht bewusst, sagte er dann, denn wenn ich diese gezielt einsetzen würde, würden sie alle nur noch nach meiner Nase tanzen und mir dafür dankbar sein.
Herman, der große Manipulator. "Herman, früher fand ich, Du bist einfach nur total lieb, die Liebenswürdigkeit in Person, und jetzt, jetzt ist mir klar geworden, ich kann nicht mehr ohne Dich leben!" Ja, so ist das. Man muss mich einfach liebhaben. Ein toller Mensch, und dazu das wandelnde Understatement. Und weil ich außerdem noch so liebes- und harmoniebedürftig wirke, bekomme ich alles, was ich will. Ganz viel Eis und Schokolade, Einladungen, Berufsaufstiegschancen und Putzschwäme. Nehmt Euch in Acht; ich könnte die Welt regieren!


